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Cover des Buches „Drei Mann in einem Boot“ von Jerome K. Jerome

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Drei Mann in einem Boot

Von Jerome K. Jerome

Gemeinfreier Klassiker von Jerome K. Jerome · Neuübersetzung von NovelSpell

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Drei Mann in einem Boot

Jerome K. Jerome

Kapitel 1

Drei Kranke – Die Leiden von George und Harris – Ein Opfer von hundertsieben tödlichen Krankheiten – Nützliche Verordnungen – Ein Heilmittel gegen Leberleiden bei Kindern – Wir sind uns einig, dass wir überarbeitet sind und Ruhe brauchen – Eine Woche auf hoher See? – George schlägt den Fluss vor – Montmorency erhebt Einspruch – Der ursprüngliche Antrag wird mit drei Stimmen gegen eine angenommen.

Wir waren zu viert – George und William Samuel Harris und ich und Montmorency. Wir saßen in meinem Zimmer, rauchten und sprachen darüber, wie schlecht es uns ging – schlecht im medizinischen Sinne, meine ich natürlich.

Wir fühlten uns alle angeschlagen, und das machte uns allmählich ziemlich nervös. Harris sagte, zuweilen überkämen ihn so merkwürdige Schwindelanfälle, dass er kaum wisse, was er tue; und darauf sagte George, auch er habe Schwindelanfälle und wisse kaum, was er tue. Bei mir war die Leber nicht in Ordnung. Ich wusste, dass meine Leber nicht in Ordnung war, denn ich hatte gerade einen Werbezettel für Patent-Leberpillen gelesen, auf dem die verschiedenen Anzeichen ausführlich beschrieben waren, an denen man erkennen konnte, ob die Leber nicht in Ordnung war. Ich hatte sie alle.

Es ist höchst merkwürdig, aber ich kann keine Reklame für ein Patentmittel lesen, ohne unweigerlich zu dem Schluss zu kommen, dass ich an der darin behandelten Krankheit in ihrer bösartigsten Form leide. Die Diagnose scheint jedes Mal genau auf sämtliche Empfindungen zu passen, die ich je gehabt habe.

Ich erinnere mich, wie ich eines Tages ins Britische Museum ging, um nachzulesen, wie man ein leichtes Leiden behandelte, das mich ein wenig plagte – Heuschnupfen, glaube ich. Ich holte mir das Buch und las alles, was ich hatte nachlesen wollen; dann blätterte ich in einem unbedachten Augenblick müßig weiter und begann, mich ganz gemächlich mit Krankheiten im Allgemeinen zu beschäftigen. Ich weiß nicht mehr, in welches Leiden ich mich zuerst vertiefte – irgendeine furchtbare, verheerende Seuche, so viel weiß ich noch –, und ehe mein Blick auch nur bis zur Hälfte der Liste der »Vorzeichen« gelangt war, wurde mir klar, dass ich sie tatsächlich hatte.

Eine Weile saß ich da, starr vor Entsetzen; dann blätterte ich in der Gleichgültigkeit der Verzweiflung wieder weiter. Ich kam zum Typhus – las die Symptome – entdeckte, dass ich Typhus hatte, ihn seit Monaten haben musste, ohne es zu wissen – fragte mich, was ich sonst noch hatte; schlug den Veitstanz nach – stellte, wie erwartet, fest, dass ich auch den hatte – begann mich für meinen Fall zu interessieren und beschloss, ihm auf den Grund zu gehen, und ging deshalb alphabetisch vor – las über Wechselfieber und erfuhr, dass es bei mir im Anzug war und das akute Stadium in etwa vierzehn Tagen einsetzen würde. Die Brightsche Krankheit hatte ich, wie ich erleichtert feststellte, nur in einer abgemilderten Form, und was das anging, konnte ich noch Jahre leben. Cholera hatte ich mit schweren Komplikationen; und mit Diphtherie schien ich schon zur Welt gekommen zu sein. Ich arbeitete mich gewissenhaft durch alle sechsundzwanzig Buchstaben und kam zu dem Schluss, dass das Dienstmädchenknie die einzige Krankheit war, die ich nicht hatte.

Zuerst fühlte ich mich dadurch ein wenig gekränkt; es kam mir irgendwie wie eine Zurücksetzung vor. Warum hatte ich kein Dienstmädchenknie? Warum diese gehässige Ausnahme? Nach einer Weile gewannen jedoch weniger habgierige Gefühle die Oberhand. Ich bedachte, dass ich jede andere in der Pharmakologie bekannte Krankheit hatte, wurde weniger selbstsüchtig und beschloss, auf das Dienstmädchenknie zu verzichten. Die Gicht hatte mich offenbar in ihrem bösartigsten Stadium gepackt, ohne dass ich es gemerkt hätte; und an Zymose litt ich augenscheinlich seit meiner Knabenzeit. Nach der Zymose kamen keine Krankheiten mehr, und so schloss ich, dass mir sonst nichts fehlte.

Ich saß da und grübelte. Ich dachte daran, was für ein interessanter Fall ich aus medizinischer Sicht sein musste, welch ein Gewinn ich für einen Medizinerkurs wäre! Studenten brauchten nicht mehr »die Krankenhäuser abzulaufen«, wenn sie mich hätten. Ich war ein Krankenhaus für mich allein. Sie müssten nur einmal um mich herumgehen und könnten danach ihr Diplom in Empfang nehmen.

Dann fragte ich mich, wie lange ich noch zu leben hatte. Ich versuchte, mich selbst zu untersuchen. Ich fühlte meinen Puls. Zuerst konnte ich überhaupt keinen Puls fühlen. Dann schien er ganz plötzlich einzusetzen. Ich zog meine Uhr heraus und zählte die Schläge. Ich kam auf hundertsiebenundvierzig in der Minute. Ich versuchte, mein Herz zu fühlen. Ich konnte mein Herz nicht fühlen. Es hatte aufgehört zu schlagen. Inzwischen habe ich mich zu der Ansicht bewegen lassen, dass es die ganze Zeit da gewesen sein und auch geschlagen haben muss, aber erklären kann ich es mir nicht. Ich klopfte mir die ganze Vorderseite ab, von dem, was ich meine Taille nenne, bis hinauf zum Kopf, dann ein Stück weit um beide Seiten herum und hinten ein wenig den Rücken hinauf. Aber ich konnte nichts fühlen oder hören. Ich versuchte, meine Zunge anzusehen. Ich streckte sie so weit heraus, wie es nur ging, kniff ein Auge zu und versuchte, sie mit dem anderen zu untersuchen. Ich konnte nur die Spitze sehen, und die einzige Erkenntnis, die ich daraus gewann, war eine noch größere Gewissheit, dass ich Scharlach hatte.

Als glücklicher, gesunder Mann war ich in jenen Lesesaal gegangen. Heraus kroch ich als gebrechliches Wrack.

Ich ging zu meinem Arzt. Er ist ein alter Freund von mir und fühlt mir den Puls und sieht mir auf die Zunge und spricht über das Wetter, alles umsonst, wenn ich mir einbilde, krank zu sein; deshalb dachte ich, ich täte ihm einen Gefallen, wenn ich jetzt zu ihm ginge. »Was ein Arzt braucht«, sagte ich, »ist Übung. Er soll mich haben. An mir wird er mehr üben können als an siebzehnhundert gewöhnlichen Allerweltspatienten mit jeweils nur einer oder zwei Krankheiten.« Also ging ich geradewegs zu ihm, und er sagte:

»Nun, was fehlt dir denn?«

Ich sagte:

»Ich will deine Zeit, mein lieber Junge, nicht damit in Anspruch nehmen, dir zu erzählen, was mir fehlt. Das Leben ist kurz, und du könntest dahinscheiden, ehe ich fertig bin. Aber ich will dir sagen, was mir nicht fehlt. Ich habe kein Dienstmädchenknie. Warum ich kein Dienstmädchenknie habe, kann ich dir nicht sagen; aber Tatsache bleibt, dass ich es nicht habe. Alles andere habe ich allerdings.«

Und ich erzählte ihm, wie ich das alles entdeckt hatte.

Dann machte er mich auf und sah in mich hinein und packte mich am Handgelenk; dann schlug er mir auf die Brust, als ich nicht damit rechnete – eine feige Sache, wie ich finde –, und versetzte mir unmittelbar darauf mit der Seite seines Kopfes einen Stoß. Danach setzte er sich hin, schrieb ein Rezept, faltete es zusammen und gab es mir, und ich steckte es ein und ging hinaus.

Ich faltete es nicht auf. Ich brachte es zur nächsten Apotheke und gab es ab. Der Mann las es und reichte es mir dann zurück.

Er sagte, das habe er nicht vorrätig.

Ich sagte:

»Sie sind Apotheker?«

Er sagte:

»Ich bin Apotheker. Wäre ich ein Konsumwarenhaus und ein Familienhotel in einem, könnte ich Ihnen vielleicht dienen. Als bloßer Apotheker bin ich da eingeschränkt.«

Ich las das Rezept. Es lautete:

»1 Pfund Beefsteak mit 1 Pint Bitterbier

alle 6 Stunden.

1 Spaziergang von zehn Meilen jeden Morgen.

1 Bett, jeden Abend Punkt 11 Uhr.

Und stopf dir nicht den Kopf voll mit Dingen, von denen du nichts verstehst.«

Ich hielt mich an die Anweisungen, mit dem erfreulichen Ergebnis – ich spreche hier für mich –, dass mein Leben erhalten blieb und bis heute fortdauert.

Im gegenwärtigen Fall – um auf den Leberpillenprospekt zurückzukommen – hatte ich die Symptome ohne jeden Zweifel, allen voran »eine allgemeine Abneigung gegen Arbeit jeder Art«.

Was ich in dieser Hinsicht leide, lässt sich mit Worten nicht beschreiben. Seit meiner frühesten Kindheit leide ich darunter wie ein Märtyrer. Als Junge hatte ich kaum je einen Tag Ruhe vor der Krankheit. Damals wusste man noch nicht, dass es meine Leber war. Die medizinische Wissenschaft war weit weniger fortgeschritten als heute, und man pflegte es auf Faulheit zu schieben.

»Na, du arbeitsscheuer kleiner Teufel, du«, sagten sie dann, »kannst du nicht aufstehen und was für deinen Lebensunterhalt tun?« – natürlich wussten sie nicht, dass ich krank war.

Und sie gaben mir keine Pillen; sie gaben mir eins seitlich an den Kopf. Und so seltsam es erscheinen mag, diese Hiebe auf den Kopf heilten mich oft – fürs Erste. Ich habe erlebt, dass ein einziger Hieb auf den Kopf stärker auf meine Leber wirkte und mir mehr Lust machte, sofort auf der Stelle loszugehen und ohne weiteren Zeitverlust zu tun, was getan werden sollte, als heute eine ganze Schachtel Pillen.

Es ist ja oft so – die einfachen, altmodischen Heilmittel wirken manchmal besser als all das Zeug aus der Apotheke.

Wir saßen eine halbe Stunde da und schilderten einander unsere Leiden. Ich erklärte George und William Harris, wie ich mich morgens beim Aufstehen fühlte, und William Harris erzählte uns, wie er sich fühlte, wenn er zu Bett ging; und George stand auf dem Teppich vor dem Kamin und führte uns mit ebenso gekonnter wie kraftvoller Schauspielkunst vor, wie ihm nachts zumute war.

George bildet sich ein, er sei krank; aber in Wirklichkeit fehlt ihm nie etwas, wissen Sie.

Da klopfte Mrs. Poppets an die Tür und fragte, ob wir zum Abendessen bereit seien. Wir lächelten einander traurig zu und meinten, wir sollten wohl versuchen, einen Bissen hinunterzubekommen. Harris sagte, eine Kleinigkeit im Magen halte die Krankheit oft in Schach; und Mrs. Poppets brachte das Tablett herein, und wir rückten an den Tisch und stocherten in ein wenig Steak mit Zwiebeln und etwas Rhabarberkuchen herum.

Ich muss damals sehr schwach gewesen sein; denn ich weiß noch, dass ich nach etwa einer halben Stunde keinerlei Interesse mehr an meinem Essen zu haben schien – was bei mir ungewöhnlich ist – und keinen Käse wollte.

Nachdem wir diese Pflicht erfüllt hatten, füllten wir unsere Gläser wieder, zündeten unsere Pfeifen an und setzten das Gespräch über unseren Gesundheitszustand fort. Was uns eigentlich fehlte, wusste keiner von uns mit Gewissheit; aber wir waren einstimmig der Meinung, es sei – was immer es sein mochte – durch Überarbeitung verursacht worden.

»Wir brauchen Ruhe«, sagte Harris.

»Ruhe und einmal etwas ganz anderes«, sagte George. »Die Überanstrengung unserer Gehirne hat im gesamten Organismus eine allgemeine Niedergeschlagenheit hervorgerufen. Ein Wechsel der Umgebung und die Befreiung von jedem Zwang zum Denken werden das geistige Gleichgewicht wiederherstellen.«

George hat einen Vetter, der in der Anklageschrift gewöhnlich als Medizinstudent bezeichnet wird; daher hat George natürlich eine etwas hausärztliche Ausdrucksweise.

Ich stimmte George zu und schlug vor, wir sollten uns irgendeinen abgelegenen, altertümlichen Ort suchen, fern vom Getriebe der Menge, und in seinen schläfrigen Gassen eine sonnige Woche verträumen – irgendeinen halb vergessenen Winkel, den die Feen versteckt hatten, außer Reichweite der lärmenden Welt – irgendein wunderlich gelegenes Adlernest an den Klippen von Gevatter Zeit, von wo aus die brandenden Wogen des neunzehnten Jahrhunderts nur fern und leise zu hören wären.

Harris sagte, er glaube, das werde eine trübselige Sache. Er sagte, er kenne die Art von Orten, die ich meine; wo alle um acht Uhr zu Bett gingen, man für kein Geld und keine guten Worte ein Exemplar des Referee bekäme und zehn Meilen laufen müsste, um an seinen Knaster zu kommen.

»Nein«, sagte Harris, »wenn man Ruhe und Abwechslung will, geht nichts über eine Seereise.«

Ich sprach mich entschieden gegen die Seereise aus. Eine Seereise tut einem gut, wenn man ein paar Monate dafür hat; aber für eine Woche ist sie ein Frevel.

Am Montag fährt man los, im Herzen den fest eingepflanzten Gedanken, dass man sich amüsieren wird. Man winkt den Jungs an Land ein lässiges Adieu zu, zündet sich seine größte Pfeife an und stolziert über das Deck, als sei man Kapitän Cook, Sir Francis Drake und Christoph Kolumbus in einer Person. Am Dienstag wünscht man, man wäre nicht mitgefahren. Am Mittwoch, Donnerstag und Freitag wünscht man, man wäre tot. Am Samstag kann man ein wenig Rinderbrühe hinunterschlucken, sich an Deck aufsetzen und mit einem matten, sanften Lächeln antworten, wenn gutherzige Leute fragen, wie es einem jetzt gehe. Am Sonntag beginnt man wieder herumzulaufen und feste Nahrung zu sich zu nehmen. Und am Montagmorgen, wenn man mit Tasche und Regenschirm in der Hand am Dollbord steht und darauf wartet, an Land gehen zu können, fängt es an, einem so richtig zu gefallen.

Ich erinnere mich, dass mein Schwager einmal seiner Gesundheit zuliebe eine kurze Seereise unternahm. Er buchte einen Kojenplatz für die Hin- und Rückfahrt von London nach Liverpool; und als er in Liverpool ankam, lag ihm nur noch eines am Herzen: seine Rückfahrkarte zu verkaufen.

Sie wurde, wie man mir erzählt hat, in der ganzen Stadt zu einem ungeheuer ermäßigten Preis angeboten und schließlich für achtzehn Penny an einen gallengelb aussehenden jungen Mann verkauft, dem seine Ärzte gerade geraten hatten, ans Meer zu fahren und sich Bewegung zu verschaffen.

»Ans Meer!«, sagte mein Schwager und drückte ihm die Karte liebevoll in die Hand. »Davon werden Sie genug für ein ganzes Leben haben; und was die Bewegung angeht! Sie werden auf dem Schiff im Sitzen mehr Bewegung bekommen als bei Purzelbäumen an Land.«

Er selbst – mein Schwager – kam mit der Bahn zurück. Er sagte, die North-Western Railway sei gesund genug für ihn.

Ein anderer Bekannter von mir unternahm eine einwöchige Seereise an der Küste entlang, und vor der Abfahrt kam der Steward zu ihm und fragte, ob er jede Mahlzeit einzeln bezahlen oder im Voraus einen Pauschalpreis für alle vereinbaren wolle.

Der Steward empfahl Letzteres, da es so viel billiger käme. Für die ganze Woche, sagte er, würden sie zwei Pfund fünf berechnen. Zum Frühstück gebe es Fisch und anschließend Gegrilltes. Das Mittagessen sei um eins und bestehe aus vier Gängen. Diner um sechs – Suppe, Fisch, entrée, Braten, Geflügel, Salat, Süßspeisen, Käse und Dessert. Und um zehn eine leichte Fleischmahlzeit.

Mein Freund beschloss, das Angebot für zwei Pfund fünf anzunehmen (er ist ein tüchtiger Esser), und tat es auch.

Das Mittagessen wurde gerade aufgetragen, als sie vor Sheerness waren. Er hatte nicht so viel Hunger, wie er erwartet hatte, und begnügte sich deshalb mit etwas gekochtem Rindfleisch und einigen Erdbeeren mit Sahne. Den Nachmittag über sann er viel nach, und zeitweise kam es ihm vor, als habe er seit Wochen nichts als gekochtes Rindfleisch gegessen, und dann wieder, als lebe er seit Jahren von Erdbeeren mit Sahne.

Auch das Rindfleisch und die Erdbeeren mit Sahne schienen nicht glücklich zu sein – sie wirkten irgendwie unzufrieden.

Um sechs kam man und sagte ihm, das Abendessen sei fertig. Die Nachricht löste keine Begeisterung in ihm aus; doch er meinte, er müsse die zwei Pfund fünf noch ein wenig abarbeiten, und so hielt er sich an Tauen und allem Möglichen fest und ging hinunter. Am Fuß der Leiter empfing ihn ein angenehmer Duft von Zwiebeln und heißem Schinken, vermischt mit dem von gebratenem Fisch und grünem Gemüse; dann kam der Steward mit einem schmierigen Lächeln heran und sagte:

»Was darf ich Ihnen bringen, mein Herr?«

»Bringen Sie mich hier raus«, lautete die schwache Antwort.

Und sie schafften ihn rasch nach oben, stützten ihn drüben auf der Leeseite ab und ließen ihn dort.

In den nächsten vier Tagen führte er bei dünnen Kapitänskeksen (ich meine, die Kekse waren dünn, nicht der Kapitän) und Sodawasser ein einfaches und untadeliges Leben; doch gegen Samstag wurde er hochnäsig und verlegte sich auf dünnen Tee und trockenen Toast, und am Montag stopfte er sich mit Hühnerbrühe voll. Er verließ das Schiff am Dienstag, und als es vom Landungssteg davondampfte, sah er ihm wehmütig nach.

»Da fährt es hin«, sagte er, »da fährt es hin, mit Essen für zwei Pfund an Bord, das mir gehört und das ich nicht gegessen habe.«

Er sagte, hätte man ihm noch einen Tag Zeit gegeben, hätte er die Sache wohl ausgleichen können.

Also wandte ich mich entschieden gegen die Seereise. Nicht, wie ich erklärte, um meinetwillen. Mir wurde nie übel. Aber ich sorgte mich um George. George sagte, ihm werde nichts fehlen, und er würde es sogar ganz gern tun, aber Harris und mir rate er, gar nicht erst daran zu denken, da wir gewiss beide krank würden. Harris sagte, ihm persönlich sei es schon immer ein Rätsel gewesen, wie die Leute es fertigbrächten, seekrank zu werden – sagte, seiner Meinung nach täten sie es absichtlich, aus Ziererei – sagte, er habe es sich oft gewünscht, es aber nie geschafft.

Dann erzählte er uns Geschichten von seinen Überfahrten über den Ärmelkanal, bei denen die See so rau gewesen war, dass man die Passagiere in ihren Kojen hatte festbinden müssen, und er und der Kapitän die einzigen beiden lebenden Seelen an Bord gewesen waren, denen nicht schlecht war. Manchmal waren es er und der zweite Offizier gewesen, denen nicht schlecht war; aber gewöhnlich waren es er und noch ein anderer Mann. Wenn nicht er und ein anderer Mann, dann er allein.

Es ist eine merkwürdige Tatsache, aber seekrank wird nie jemand – an Land. Auf See trifft man jede Menge Menschen, denen entsetzlich schlecht ist, ganze Schiffsladungen voll; aber an Land ist mir noch nie ein Mensch begegnet, der je auch nur die geringste Ahnung davon gehabt hätte, was es heißt, seekrank zu sein. Wo sich die Tausende und Abertausende nicht seefester Menschen, von denen es auf jedem Schiff wimmelt, verstecken, wenn sie an Land sind, ist ein Rätsel.

Wenn die meisten Männer so wären wie ein Mann, den ich eines Tages auf dem Schiff nach Yarmouth sah, könnte ich das scheinbare Rätsel leicht genug erklären. Es war, wie ich mich erinnere, gerade vor dem Pier von Southend, und er lehnte sich in sehr gefährlicher Haltung aus einem der Bullaugen hinaus. Ich ging zu ihm und versuchte, ihn zu retten.

»He! Kommen Sie weiter rein«, sagte ich und schüttelte ihn an der Schulter. »Sie fallen noch über Bord.«

»Ach Gott! Wenn es nur so wäre«, war die einzige Antwort, die ich bekam; und so musste ich ihn dort lassen.

Drei Wochen später traf ich ihn im Speisesaal eines Hotels in Bath wieder, wo er von seinen Seereisen erzählte und voller Begeisterung darlegte, wie sehr er das Meer liebte.

»Ob ich seefest bin!«, erwiderte er auf die neidvolle Frage eines sanftmütigen jungen Mannes. »Nun, einmal habe ich mich ein wenig unwohl gefühlt, das gebe ich zu. Es war vor Kap Hoorn. Am nächsten Morgen erlitt das Schiff Schiffbruch.«

Ich sagte:

»War Ihnen nicht eines Tages beim Pier von Southend ein bisschen flau, und wollten Sie nicht über Bord geworfen werden?«

»Der Pier von Southend!«, erwiderte er mit verwirrter Miene.

»Ja; auf der Fahrt nach Yarmouth, am Freitag vor drei Wochen.«

»Ach so – ja«, antwortete er mit aufgehellter Miene. »Jetzt erinnere ich mich. An dem Nachmittag hatte ich tatsächlich Kopfschmerzen. Es lag an den Pickles, wissen Sie. Es waren die schändlichsten Pickles, die ich je auf einem anständigen Schiff gegessen habe. Haben Sie auch davon gegessen?«

Ich für meinen Teil habe entdeckt, dass man der Seekrankheit ausgezeichnet vorbeugen kann, indem man sich im Gleichgewicht hält. Man stellt sich in die Mitte des Decks und bewegt, während das Schiff sich hebt und stampft, den Körper so, dass er immer aufrecht bleibt. Wenn der vordere Teil des Schiffes in die Höhe geht, beugt man sich nach vorn, bis das Deck einem beinahe die Nase berührt; und wenn das hintere Ende hochkommt, lehnt man sich zurück. Das ist für ein oder zwei Stunden ja schön und gut; aber eine Woche lang kann man nicht balancieren.

George sagte:

»Fahren wir doch den Fluss hinauf.«

Er sagte, wir hätten frische Luft, Bewegung und Ruhe; der ständige Wechsel der Landschaft werde unseren Geist beschäftigen (auch den von Harris, soweit vorhanden); und die harte Arbeit werde für guten Appetit sorgen und uns gut schlafen lassen.

Harris sagte, seiner Meinung nach sollte George nichts tun, was ihn noch schläfriger machen könne, als er ohnehin immer sei, da das gefährlich werden könnte. Er sagte, er verstehe nicht recht, wie George noch mehr schlafen könne, als er es jetzt schon tue, da jeder Tag doch nur vierundzwanzig Stunden habe, im Sommer wie im Winter; aber falls er wirklich noch mehr schliefe, könne er ebenso gut tot sein und sich auf diese Weise Kost und Logis sparen.

Harris sagte jedoch, der Fluss passe ihm aufs T genau. Ich weiß nicht, was ein »T« ist (außer einem für sechs Penny, mit Butterbrot und Kuchen ad lib, was günstig ist, wenn man nicht zu Mittag gegessen hat). Es scheint jedoch allen zu passen, und das muss man ihm hoch anrechnen.

Mir passte es ebenfalls aufs T genau, und Harris und ich sagten beide, das sei ein guter Einfall von George; und wir sagten es in einem Ton, der irgendwie anzudeuten schien, wie überrascht wir waren, dass George etwas so Vernünftiges von sich gegeben hatte.

Der Einzige, den der Vorschlag nicht begeisterte, war Montmorency. Für den Fluss hatte er nie etwas übriggehabt, Montmorency.

»Für euch ist das ja alles ganz schön«, sagt er; »euch gefällt es, aber mir nicht. Für mich gibt es da nichts zu tun. Landschaft ist nicht mein Fall, und ich rauche nicht. Wenn ich eine Ratte sehe, haltet ihr nicht an; und wenn ich einschlafe, albert ihr mit dem Boot herum und spült mich über Bord. Wenn ihr mich fragt, ist die ganze Sache eine verflixte Dummheit.«

Wir waren jedoch drei gegen einen, und der Antrag wurde angenommen.


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